(...) Gleichwohl sind Petra Försters Porträtbüsten keine Wiederholungen ihrer Vorläufer aus dem Quattrocento, die fast ausnahmslos Condottieri, Fürsten und Aristokratinnen, kostbar gekleidet und geschmückt, darstellen. Nicht zuletzt an Frisuren, Brille und Alltagskleidung wie einem Sweatshirt mit Textaufdruck erkennen wir in den Bildnissen Petra Försters ganz „normale“ Zeitgenossen von heute. Durchaus postmodern ist dabei das freie Spiel mit Grenzüberschreitungen: die Büsten sind nicht aus Marmor, sondern aus Ton, einem Material, das auch im Bereich des Kunsthandwerks verwendet wird; die farbige Engobe-Fassung verstärkt diesen Aspekt noch. Mit der Plastik verbinden sich über die farbige Fassung die Gattung der Malerei und über die Textur der Kleidung graphische Elemente. Die Buntheit der Oberflächenfarbe konterkariert die Forderung der Moderne nach Reinheit der plastischen Form und verleiht den Büsten einen naiven, volkskunsthaften, ja trivialen Zug. Hegels Postulat „Durch den der echten Skulptur adäquaten Inhalt nämlich ist (...) die zufällige Partikularität der äußeren Erscheinung ausgeschlossen. Nur das Bleibende, Allgemeine, Gesetzmäßige in der menschlichen Körperform hat das Skulpturwerk darzustellen (...)“ * wird auf den Kopf gestellt durch ein Detail wie die enorme Brille, die Yingmei auf ihrer kleinen Nase balanciert. Manchen ihrer Büsten gibt Petra Förster poetische Titel oder fasst sie, wie die Kunststudentinnen, als Serie unter einen Oberbegriff und bindet sie so in einen konzeptuellen Rahmen ein. Sie kombiniert sie mit verschiedensten Sockeln und untereinander in immer neuen Gruppen oder versetzt sie, gegen Erdanziehungskraft und Schwere von Material und Form, in die Elemente Wasser und Luft. Immer wieder erfährt das Abbildhaft - Realistische witzige, ironische Brechungen.(...)
    Dr. Regine Nahrwold, Text „von Menschen, Personen und Pullovern“ im Katalog: Petra Förster "Zweitausend bis Zweitausendeins", 2001
    Die Porträtbüsten sind nach Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern aus Ton modelliert. Zumeist sind die Büsten überlebensgroß und werden auf zu variierenden Sockeln aus Keramik präsentiert. Es geht mir um das Erfassen eines allgemeinen, zeitlosen Moments mit großer Nähe zum Vorbild und gleichzeitig allgemeinem Sosein in der Welt .
    << zurück