1175
    1995, Keramik, teilweise glasiert, 220x60x30 cm
    Stein um Stein stapeln sich in der Skulptur von Petra Förster große Bauklötze zu einer überdimensionierten Spielfigur auf und setzten Herzog Heinrich dem Löwen und seinem Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein ungewöhnliches Denkmal. Das wechselseitige, politische Zusammenspiel dieser beiden Persönlichkeiten, die die deutsche Geschichte im 12. Jahrhundert entscheidend bestimmten, wird hier aus einem Baukasten nacherzählt und in eine plastische Bildform übertragen. Seite an Seite, leicht voneinander abgewandt ruhen die Büsten der beiden Herrscher auf einem mehrteiligen Sockel. Etwas erhöht thront das bekrönte Bildnis Barbarossas über einer gefestigten und stabilen Turmkonstruktion, während Heinrichs Abbild von einem eher labilen, wankenden Sockelaufbau getragen wird und bald zu kippen droht. Der Bauklotz ist in dieser Skulptur eine Metapher für das Leben und Wirken beider Herrscher. Beide kämpften unermüdlich um die Ausweitung ihrer Herrschaftsgebiet und errichteten sich ein politisches Machtgebäude, das die Summe vieler Bausteine war. Hierzu gehörten Erbschaftsansprüche, geschickte Heiratsstrategien, eine berechnende Bündnispolitik wie auch kriegerische Gebietsaneignungen. Der gemeinsame Weg, die gegenseitige Unterstützung und die wechselseitige Abhängigkeit werden in dieser Skulptur ebenso zur Anschauung gebracht wie bedrohliche Krisen durch Machtgefälle und Interessenkonflikte. Der Aufbau der Skulptur spiegelt eine bestimmte Zeitphase im Verhältnis von Heinrich und Barbarossa wider. Das Ende ihres Bündnisses, aus dem Heinrich geächtet und entmachtet als Verlierer entlassen wird, kündigt sich an. Es ist das Jahr 1175. (...)
    Text von Elisabeth Nottelmann im Ausstellungskatalog: Heinrich der Löwe und seine Zeit, Band 4, Der Wettbewerb, 1995, Hirmer Verlag, München
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